Die vielen Gesichter der Wahrheit – toxische Beziehungen

21. Mai 2020 0 Von Bettina

Ich glaube, dass die Wahrheit viele Gesichter hat.  Jeder hatte sicherlich schon einmal eine toxische Beziehung zu einem Partner, Freund oder in seiner Familie erfahren. Das kommt gar nicht so selten vor, dass man sich in Beziehungsmustern wiederfindet.

Realität ist nicht gleich Realität, jeder empfindet sie nach seinen Wertevorstellungen ein wenig anders

Wie wir Realität empfinden, hat ganz viel mit der inneren Haltung, Erfahrung und Sichtweisen, die wir im Leben erworben haben zu tun. Wir färben je nach unserer Stimmung und unserem Gefühlen die Welt ein. Due Wahrheit bekommt eine ganz eigene Farbe, weil das objektiv stattgefundene unerträglich ist und/oder wir nicht bereit sind Schritte zu in eine andere Richtung zu gehen.

Pippi Langstrumpf Welt

Was wäre leichter, als sich eine eigene Form der Realität zu erschaffen. Darunter fällt das Pippi-Langstrumpf-Syndrom “Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.” Es ist so einfach in dieser Welt, in der ich Niemals Schuld habe oder mich entschuldigen muss, weil ich natürlich immer Recht habe und nur der Andere Fehler macht. In meiner Pippi-Langstrumpf-Welt werde ich niemals erwachsen. Das inner Kind in seiner Verletztheit weder vergeben, noch andere Menschen fühlen, weil es nur in seiner Kinderwelt gefangen ist.

So, geben wir Anderen gerne die Rollen, die wir benötigen, um uns zu rechtfertigen oder wo es zu schmerzhaft in den Spiegel des eigenen Versagens zu schauen. Sehr schnell kommen Be- und Verurteilungen, werden Worte in den Mund gelegt oder lassen wir uns nach subjektiven Erzählen der Situation von Anderen, die mit ähnlichen Thematiken kämpfen, weiter in unserer Welt bestätigen. Man bezeichnet solche Menschen als “toxische Persönlichkeiten”.

Welche Charakteristika haben toxische Menschen?

Die Charakteristika sind: sie sind oft verbohrt, uneinsichtig und unbelehrbar. Sie sind gar nicht daran interessiert, die Sichtweise des anderen zu sehen und zu verstehen. Toxische Menschen haben selten Schuldgefühle, wenn sie andere verletzt haben.

Die Paartherapeutin Melody Li, LMFT, sagt: “Toxische Beziehungen entstehen, wenn Menschen in schädlichen Beziehungsmustern und -zyklen stecken.”  Wir wollen zu oft der anderen Person die alleinige Schuld geben, weil das uns unschuldig macht, aber wir sind es selten, wenn wir in diesen Beziehung weitermachen.  Ein guter Indikator dafür ist laut Li: “Wenn eine Person ständig präsent ist – Anschuldigungen, Schuldzuweisungen, Kritik und Forderungen erfolgen.” 

Woran kannst Du erkennen, ob Du selbst eine toxische Persönlichkeit bist?

1. Menschen meiden dich oder beenden ihre Beziehung zu dir.
Dies ist oft der erste Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt. Wenn Beziehungen abrupt beendet werden, dann kann dies daran liegen, dass Du Anderen schadest.
Menschen bemühen sich Zeit mit Dir zu verbringen, wenn es ihnen guttut. Wenn das nicht so ist, werden sie sich, so weit wie möglich von Dir entfernen wollen.

2. Du beurteilst die Entscheidungen anderer Menschen kritisch und bist oft überkritisch
Wann immer wir andere Menschen beurteilen, implizieren wir, dass wir besser sind als sie, und niemand mag es, sich jemand anderem unterlegen zu fühlen.


Menschen brauchen die Freiheit, Entscheidungen zu treffen, die sie wollen, ohne von ihren Freunden und Angehörigen beurteilt zu werden. Fehler zu machen ist, wie wir Alle wachsen und uns verändern.
Niemand wird mit etwas perfekt umgehen, und ich kann nicht annehmen oder so handeln, als ob ich es besser wüsste, wenn ich genauso viele Fehler mache.

3. Du versuchst Andere zu kontrollieren Möchtest Du, dass andere Menschen das tun, was Du denkst, dass sie tun sollten? Wirst Du dabei sogar grenzübertretend und ärgerlich, wenn sie es nicht  tun?
Du versuchst, über einen anderen Menschen Macht zu haben und diese zu kontrollieren. Du lässt Andere nicht so sein wie sie sind. Niemand möchte dominiert oder verändert werden.

4. Du entschuldigst Dich nicht
Um Vergebung zu bitten ist eine gute Möglichkeit Deine eigene Verwundbarkeitn Anderen zu zeigen. Du zeigst damit, dass Du auch nicht perfekt bist. Es ist wichtig, dass man auch Fehler eingesteht. Niemand möchte zu Jemandem eine intensive Beziehung aufbauen, der rechthaberisch ist und Fehler nicht einsieht. Meist wirken solche Menschen sehr rechthaberisch, weil sie für Alles eine Ausrede brauchen.

Wenn Du Dich niemals entschuldigst, auch wenn es offensichtlich ist, dass Du im Unrecht warst, besteht keine Chance auf eine gute Beziehung zu Anderen. Wenn die Worte “es tut mir leid” nicht über Deine Lippen kommen und Du Dir immer wieder Ausreden ausdenken musst, dann möchte sich Niemand mit Dir näher befassen.

5. Du fühlst Dich niemals für etwas verantwortlich
Das Leben ist unfair, aber wenn Du feststellst, dass Du immer das Opfer bist, ist es eher Dein eigenes Denken und nicht Dein Leben, dass dass Problem ist. 

Niemand hat Lust, immer die Opferhaltung des Anderen ertragen zu müssen. Alle Anderen sind Böse und tun unrecht. Das Leben ist so schon hart genug für Alle. Sich immer wieder in der Opferhaltung zu befinden, bedeutet, die Verantwortung nicht übernehmen zu wollen.  

Eigentlich ist es doch ein sehr bequemes Leben, wenn man sich selbst in der Rolle des bemitleidenswerten Kindes befindet, dass Niemand liebt und zu dem alle Anderen böse sind. 

Man kann für sein eigene Glück und Unglück Niemanden verantwortlich machen. Es ist die eigene Verantwortung, die wir für das Leben übernehmen müssen und dürfen. Nur leider auch manchmal unangenehm und schmerzhaft. Tjaja, wir sind eben alle keine Engel und machen Fehler.


6. Du nimmst lieber, anstatt zu geben
Wenn jemand nett zu Dir ist, ist es immer gut darüber nachzudenken: Wann war ich eigentlich in letzter Zeit nett zu einem Anderen? 

Wir können uns nicht immer darauf konzentrieren, was wir von anderen bekommen können. Wir müssen uns überlegen, wie wir auch anderen Menschen helfen können. Wenn Duauf die letzten drei Monate zurückblicken und Dich nicht erinnern kannst, wann Dudas letzte Mal etwas für jemand anderen getan haben, bist Du ein Nehmer. Oft erschöpfen sich Freundschaften, wenn der Eine immer nur gibt und der Andere sich niemals revanchiert.

7. Du nimmst die Dinge immer persönlich
Dein Freund macht eine schwere Zeit durch und bittet um etwas Platz. Anstatt diese Bitte respektieren, gehst Du davon aus, dass er sauer auf Dich und nicht ehrlich ist.
Du bist verletzt und beschließt, Dich zu rächen. Sie bombardierst den Anderen mit Anrufen und Nachrichten.

Nennst ihn egoistisch und sprichst Dinge aus der Vergangenheit an.  (“Du hast mir gesagt, dass deine Mutter das die ganze Zeit getan hat. Ich kann nicht glauben, dass du mir das jetzt antust!”). Du sprichst schlecht über ihn mit Anderen. Nicht alles dreht sich um dich, aber wenn du es so machst, stellst du sicher, dass andere Leute nichts mehr mit Dir zu tun haben wollen.

8. Du neidest Anderen ihre positiven Erfahrungen und Erfolge
Sich an den Erfolgen anderen aus tiefstem Herzen und neidlos zu freuen, ist eine sehr positive Eigenschaft, die den meisten toxischen Menschen schwerfällt. Sie können nicht verstehen, warum der Andere diesen Erfolg hatte, der doch eigentlich ihnen zugestanden hätte. Ja, sie fühlen sich soz. “beraubt”. Niemand mag sich mit einem Neidhammel abgeben, der immer nur neidisch beäugt, was der Andere gerade im Leben erreicht hat.

Freunde und Angehörige müssen einander Liebe und Unterstützung zeigen, und das tun wir nicht, wenn wir nicht sicherstellen, dass wir die guten Dinge feiern.


9. Du kannst kein Geheimnis für Dich behalten.
Eine offene und ehrliche Kommunikation ist notwendig, um gesunde Beziehungen aufzubauen. Die Geheimnisse, die Dir anvertraut werden, preiszugeben, ist daher ein schwerwiegender Verrat.


Unbedacht plaudern wir manchmal Geheimnisse aus, weil wir gerne tratschen oder uns wichtig machen wollen. Der einzige Weg, gesunde, ehrliche Beziehungen zu haben, besteht darin, vertrauenswürdig zu sein. Das geht aber nicht, wenn ich meinem Freund, Angehörigen, etc. nicht vertrauen kann. 

Toxische Beziehungsmuster durchbrechen

In toxischen Beziehungen kann sich erst etwas ändern, wenn beide Parteien bereit sind sich zu verändern, zuzuhören und ihre Einstellung zu ändern. Mitgefühl und Vergebung gehören ebenso dazu wie Selbstreflexion und -liebe. 

Wir laufen nicht in den geliehenen Schuhen der Anderen, sondern leben ein glücklicheres Leben, wenn wir bereit sind die inneren Festungen und Mauern niederzureißen. Glück entsteht immer nur mit der Bereitschaft zu verstehen, zu lieben und zu vergeben.

 

 

 

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