Der Schattenzwilling

Mehrlingsgeburten üben von jeher eine große Faszination auf die Menschheit aus. Die Zahl der Zwillingsgeburten nimmt stetig zu. Allerdings sind diese Schwangerschaften sowohl für den Körper der Mutter wie auch den der Kinder risikoreich. Es kann in den ungefähr 40 Wochen einer Schwangerschaft so viel passieren. Besonders bei Mehrlingsschwangerschaften kann es zu Fehlentwicklungen oder Mangelerscheinungen  eines oder aller Kinder kommen. Daher werden viele Schwangerschaften schon vor dem Ende der 40. Schwangerschaftswoche beendet, um den Kindern einen möglichst guten Start ins Leben zu gewährleisten. Das Wissen um die Entwicklung der Ungeborenen ist heute viel größer als vor wenigen Jahrzehnte. So weiß man beispielsweise  heute, dass  ein Kind bereits in der zehbaby-784607_1280nten Schwangerschaftswoche Berührungen empfindet. Es beginnt früh zu tasten und seine Lippen zu benutzen. Zwillinge spüren sich im Mutterleib und entwickeln eine Beziehung zueinander.

Manchmal passiert es jedoch, dass eines der Kinder im Mutterleib verstirbt. Das ist für Eltern und den verbleibenden Zwilling gleichermaßen schwer.

Vanishing Twin Syndrome – wenn nur ein Kind anstatt von zwei Kindern ausgetragen wird

Viele Forscher gehen davon aus, dass eigentlich  jede 20. Schwangerschaft eine Mehrlingsschwangerschaft war. Das Syndrom des “ verschwundenen Zwillings“ ist ein Phänomen, das man „Vanishing Twin Syndrome“ nennt, weil einer der Zwillinge unbemerkt verstirbt.  Der verstorbene Fötus verwächst meistens (fast) spurlos mit der Plazenta, weil er noch so klein ist. Es kann allerdings auch zu einer Fehlgeburt mit geringer oder auch  gar keiner Vorwarnung kommen.  Anders als bei den meisten anderen Fehlgeburten gibt es häufig keinerlei Symptome wie Wehen und Blut.  Je fortgeschrittener die Schwangerschaft ist, wenn ein Kind verstirbt und eines überlebt, desto intensiver ist auch der Austausch unter den Kindern. Dies gilt nicht nur für denbaby-1181335_1280 körperlichen Aspekt. Ein Zwilling hört sein  Geschwisterkind im Bauch deutlicher als die Körpergeräusche der Mutter. Denn bereits im ersten Trimester einer Schwangerschaft nehmen die Kinder Kontakt zu einander auf.

Oft weiß die Mutter gar nicht, dass sie eigentlich Zwillinge erwartet hatte. Und auch hier, wäre es für das Geschwisterkind immens wichtig zu wissen, dass es eigentlich ein Zwilling war.

Denn obwohl sie nicht bewusst in diesem Leben eine Erinnerung an die Zeit im Mutterleib haben, kann dies dennoch schwerwiegende emotionale Folgen für das Leben des verbliebenen Zwillings haben.

Dem verstorbenen Zwilling eine  Identität zu geben, hilft dem lebenden Zwilling seine Identität zu finden

Stirbt ein Zwilling im Mutterleib schon sehr früh, verschmilzt er meist fast spurlos mit der Plazenta. Manchmal muss achild-782680_1280ber auch eine vorzeitige Geburt eingeleitet werden, um das lebende Kind zu retten. Dann beginnt für die Eltern eine sehr schwere Zeit, weil sie ihre Trauer mit der Freude und die Sorge um das verbliebene Kind teilen müssen.

Auch hier spürt das Geschwisterkind die Verbundenheit zum verlorenen Zwilling gepaart mit der Trauer der Eltern, die für ein Neugeborenes unverständlich sind.

Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn man von Anfang an dem verbliebenen Zwilling von seinem Geschwister erzählt. Fotos oder Ultraschallbilder des Geschwisterkindes sind wichtig für die Trauerbewältigung. Ein Tagebuch über die Gefühle und die Geschehnisse der ersten Zeit, die die Familie durchlebt hat, können in späteren Jahren bei der Identitätsfindung helfen. Es gibt sehr gute Literatur, die schon den Kleinsten in Form von Bilderbüchern helfen kann, den Verlust zu verarbeiten.

In Jenseitskontakten werden oft  die Gründe ersichtlich, warum das eine Kind bleiben konnte und das andere nicht. Gründe gibt es unendlich viele. Hier nun einige der häufigeren angel-1538938_1280Erklärungen: Einige Zwillinge inkarnieren beispielsweise als „Begleitung“ für den lebenden Zwilling. Manchmal schaffen sie durch ihre Anwesenheit im Mutterleib die Grundlage, um an einer schwierigen Lebensaufgabe wachsen zu dürfen, die in anderen Leben nicht aufgelöst wurde.  Andere Seelen stellen fest, dass sie nicht bereit sind, das gewählte Schicksal auf der Erde wirklich durchleben zu wollen. Einer der Gründe, die von den heimgekehrten Zwillingskindern oft erwähnt wird, ist, dass sie als Geistführer der – häufig auch – dualen Seele ihres inkarnierten Zwillings fungieren wollen.

 

„Ich war immer unvollständig. Irgendetwas oder Jemand fehlte. Ich kann das gar nicht beschreiben.“  – Andreas*, 46 Jahre, Manager

Die Meisten von uns sind auf der Suche nach der „perfekten“ Hälfte. Als ich Andreas*  im Rahmen eines Sittings begegnete, tauchte ein ganz ähnlich aussehender Mann in der geistigen Welt auf. Es war fast wie eine Spiegelung. Dann wurden mir zwei Babies gezeigt und eines dieser Kinder wirkte ätherisch – es war der Zwillingsbruder von Andreas. Wann dieser Bruder im Mutterleib verstarbaby-772441_1280b, konnte nie ganz geklärt werden. Aber mit meinem heutigen Wissen denke ich, dass es im späteren Verlauf der Schwangerschaft geschah. Die Eltern hatten Andreas nie gesagt, dass er einen Zwillingsbruder hatte. Erst nach dem Sitting erzählte die noch lebende Mutter von Andreas ihm, dass er tatsächlich einen Zwillingsbruder gehabt habe. Fotos habe man damals nicht gemacht. Sie habe das tote Baby auch nur kurz gesehen, weil es „keiner schöner Anblick“ gewesen sei. Beide – Andreas und seine Mutter – seien sehr krank gewesen. Sein Vater habe große Angst um sie gehabt. Da sei der Gedanke an den verstorbenen Zwilling ganz weit nach hinten geschoben worden.

Dieser Verlust noch vor der Geburt hat Andreas‘ ganzes Leben geprägt. Er war sehr zurückhaltend, ängstlich in seiner Kindheit. Bindungsängste überschatteten seine Beziehungen. Er blickte auf drei gescheiterte Ehen zurück. Als Manager war für ihn die Mitarbeiterführung eine Riesenaufgabe, weil er zu seinen Mitarbeitern auch eher selten Vertrauen fassen konnte bzw. ihnen nicht zutraute, dass sie Aufgaben auch wirklich erledigten.

Andreas erzählte, dass er in seinen Träumen immer wie eine Art Spiegelbild gesehen habe und einen imaginären Freund gehabt habe, der ihm so ähnlich gewesen sei. Niemand sonst habe ihn wahrnehmen können und er habe ihn „Brüderchen“ genannt. Je älter er wurde, umso mehr verschwand Brüderchen und zurück blieb einen unvorstellbare Leere. „Es war als ob ich nicht ganz sei und ich fühlte mich unvollständig.“

Durch das Sitting, bei dem er sich mit seinem Zwillingsbruder austauschen konnte, und einer daran anschließenden Psychotherapie, fühlt sich Andreas heute gestärkt und in seinem Leben angekommen.

„Ich sehe Dich in Deinem Spiegel.“ – Marion

Zwillinge haben eine sehr intensive Beziehung, die für Menschen, die keinen Zwilling haben, nicht nachvollziehbar ist. Es ist wie die „bessere Hälfte“, die sie von Anfang an an ihrer Seite haben. Sie werden schon mit ihrem Seelenpartner oder besser gesagt häufig auch mit ihrem Seelenzwilling geboren.

Viele Zwillinge entwickeln eine ganze eigene verbale und non-verbale Verständigung, die von Niemandem sonst verstanden wird. Sie „spüren“ den Anderen – auch wenn dieser gar nicht in ihrer Nähe ist oder sie nach der Geburt getrennt wurden.

So verwundert die nachfolgende Erfahrung sicherlich auch nicht, die ich mit einem eineiigen Zwillingspaar machen durfte.

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Dieses Sitting mit Rita begann sehr normal. Ich begann mich mit der geistigen Welt zu verbinden und sah Stationen aus Ritas Leben. Was ich nicht sofort verstand, war, dass es zwei Leben waren.

Ritas Verbindung zu ihrer Zwillingsschwester Marion war sehr intensiv. Sie wohnten zwar in getrennten Wohnungen als sie erwachsen wurden, aber nie weit voneinander entfernt, fanden Partner und lebten ein „normales“ Leben. Als Marion geschieden wurde, zerbrach auch Ritas Ehe. Beide hatten keine Kinder. Jede hatte aber eine Katze, die fast wie die Katze der Zwillingschwester aussah. Sie lebten ein fast synchrones Leben und in totaler Einheit zu dem anderen Menschen. Beruflich gingen sie jedoch unterschiedliche Wege. Rita bekam eines Abends kurz nachdem sie mit Marion gesprochen hatte, ein seltsames Gefühl. Starke Kopfschmerzen und Übelkeit stellten sich ein. Sie legte sich lang auf ihrer Couch hin. Nach einigen Minuten wurde es besser. Aber sie verspürte eine unendliche Traurigkeit. Kurz zog sie in Betracht ihre Schwester anzurufen. Aber mit Blick auf die Uhr und aus Rücksicht auf das frühe Aufstehen ihrer Schwester, die als Krankenschwester am nächsten Morgen  wieder um 4.30 h aufstehen musste, verzichtete sie auf einen Anruf und ging mit diesem merkwürdigen Gefühl ins Bett. Am nächsten Morgen erfasste sie eine unglaubliche Unruhe, die sich verstärkte, als eine Kollegin ihrer Schwester anrief und ihr mitteilte, dass ihre Schwester nicht zum Dienst erschienen sei. Da sie aus dem Büro nicht weg konnte, bat sie eine gemeinsame Freundin bei ihrer Schwester vorbei zu fahren.

Petra, die Freundin, rief Rita an, um ihr mitzuteilen, dass sie jetzt die Polizei angerufen habe, weil ihre Schwester die Tür nicht öffnete und sie aber das Fernsehen hören können. Die Katze miaute durchdringend, was auch sehr ungewöhnlich war. Ritas Unruhe wandelte sich in Angst und sie bat ihren Chef um einen freien Resttag. Sie kam gemeinsam mit der Polizei an und sie fanden Marion leblos auf dem Sofa liegend vor. Die getigerte Katze saß auf ihrem Kopf und miaute klagend. Der Notarzt konnte nur den Tod feststellen. Ritas Welt zerbrach in winzig kleine Scherben.

Als ich Rita sechs Monate später traf, war sie überaus nervös, depressiv und stark abgemagert. Ihr größter Wunsch war, ihrer Schwester bald nachfolgen zu dürfen. Ihre Schwester Marion  hatte einen Gehirnschlag erlitten. Rita quälte die Frage, warum sie nicht verstanden hatte, dass ihre Schwester im Sterben lag. Hätte sie ihr noch helfen können? Vielleicht hätte sie überlebt, wenn sie die Zeichen verstanden hätte? Marion zeigte sich in einem strahlenden Licht. Neben ihr standen ihr Vater, ihr Bruder, der als Kind verstorben war, und ihre Großeltern, in deren Haus sie zusammen mit ihrer Schwester aufgewachsen war. Hinter ihr sah ich ein Schwarzwaldhaus mit einem breiten Balkon, der mit roten Hängegeranien bepflanzt war und besonders schön aussah. Diese Hängegeranien waren der besondere Stolz der Oma und was liegt näher als einen Ort, an dem man so glücklich gewesen ist, auch im Himmel aufzubauen?! „Sag Rita, dass ich nach dem Verlassen meines Körpers sofort zu ihr gekommen bin. Ich habe nicht gelitten. Sie hat gar nicht verstanden, dass ich genau das gefühlt habe, wie sie auch. Sie muss wissen, dass ich wie ein Blitz aus meinem Körper heraus geschossen bin. Immer, wenn sie so traurig ist, lasse ich die Lampen bei ihr blitzen, damit sie es versteht. Aber sie ist mal wieder langsam und will das einfach nicht kapieren. Manchmal hört sie mich und dann wieder nicht. Es ist wirklich nervig. Ich bin froh, dass sie bald kommen wird. Sag‘ ihr, dass sie in den Spiegel schauen wird. Dann komme ich sie holen, wenn es so weit ist. Sie wird uns Alle hier treffen. Auch Mohrchen, ihr schwarzer Kater, ist bei mir. Sie muss keine Angst haben. Es wird schnell gehen. Noch ehe es Weihnachten ist, sind wir wieder zusammen.“ Dazu zeigte mir Marion einen großen goldenen Spiegel mit einem Blumenrahmen, der über einem Schreibtisch angebracht war. Sie zeigte mir den Kalender an der Wand, der auf dem Datum 11.11.2011 stand. Marion sagte: „Das sind die Engelzahlen, die uns schon immer begleitet haben.“ Erschrocken erklärte ich Marion, dass ich das nicht tun dürfe und das es nicht meine Aufgabe als Medium sei, ihr diese Nachricht zu überbringen. Auf gar keinen Fall würde ich in Ritas Leben auf diese Art eingreifen. Das war für mich auch eine sehr außergewöhnliche Situation. Normalerweise werden solche Daten nicht so klar und unverblümt genannt. Und ich befand mich nun in dem Zwiespalt, dass ich auf gar keinen Fall den Ehrenkodex des Mediums verletzen wollte, aber auch dem Wahrheitsgehalt der Botschaft von Spirit verpflichtet war. Ich überlies meinem Geistführer dem Lehrer und meiner Heilerin Ananda die weitere Gesprächsführung, die mein Dilemma verstanden hatten und ihre Hilfe anboten.

„Rita, Ihre Schwester sagt, dass Sie sich keine Sorgen machen sollen. Sie ist gut aufgehoben und zusammen mit ihrer Familie. Auch Ihr Kater Mohrle ist bei ihr. Sie sind Alle zusammen in einem Haus, das aussieht wie das Haus Ihrer Großeltern, in dem Sie Beide groß geworden sind. Blitzt es öfters bei Ihnen?“ „Ja, stimmt. Ich habe schon zig Mal die Glühbirnen der Stehlampe an meinem Schreibtisch ausgewechselt. Ich habe manchmal das Gefühl meine Schwester in meinem Spiegel über dem Schreibtisch sehen zu können. Aber wir sind uns so ähnlich. Sie hat aber längere Haare gehabt und ein Muttermal an der Augenbraue. Das bilde ich mir bestimmt nur ein. Das wäre zu abgefahren.“  Zumindest das konnte ich bestätigen. „Eine drängende Frage habe ich noch, Bettina. Ich weiß nicht, ob sie mir die Fragen beantworten dürfen? Ich habe das Gefühl so von Allen abgeschnitten zu sein, die ich liebe. Ich bin in der Klinik gelandet, weil ich mir drei Mal versucht habe das Leben zu nehmen. Beim letzten Mal hat es fast geklappt. Ich weiß jetzt, dass es nicht richtig wäre. Also, keine Sorge, dass ich das noch einmal versuchen würde. Aber kann meine Schwester nicht sagen, wann wir endlich wieder vereint sind?“ Ich erklärte ihr, dass ich ihr das nicht sagen dürfe. Aber das ihre Schwester über Engelzahlen gesprochen habe und dass sie keine Angst zu haben brauche. Sie würde ähnlich wie sie blitzartig von dieser Welt gehen. Geboren wurden die Zwillinge an einem 1.11. und gestorben sind Beide an einem 11.11. – Marion am 11.11.2010 und Rita am 11.11.2011.

Der Tod ereilte Rita an ihrem Schreibtisch sitzend und in den Spiegel schauend. Als die Freundin, die auch schon ihre Schwester gefunden hatte, auch ihre Wohnung öffnen ließ, fand sie Rita mit einem strahlenden Lächeln vor. Die Obduktion ergab: natürliche Todesursache, Gehirnschlag.

Einige Tage nach Ritas Tod erreichte mich ihre Nachricht und die Organisatorin des Termins sagte: „Gell, Du wusstest, dass sie an diesem Tag gehen würde und wie. Sie war nach dem Sitting so erleichtert und es ging ihr so viel besser. Wir dachten nicht, dass sie so schnell gehen würde. Rita hatte sich gefangen und wir haben oft über das Sitting gesprochen. Sie sagte, dass sie bereit sei, wann auch immer ihre Schwester sie holen würde.“

Ich weiß, dass die Zwillingsschwestern nun glücklich wieder vereint sind. Kann man da wirklich traurig sein, wenn Beide so glücklich sind?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Name geändert


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Bettina-Suvi Rode /03.2016