Wenn nicht verarbeitete Kindertrauer erwachsen wird

Wie wichtig es ist, dass man auch kleinen Menschen die Möglichkeit gibt, sich von den verstorbenen Geschwistern zu verabschieden, sieht man, wenn man mal Familiengeschichten hinterfragt. Wenn man sich anschaut, dass viele Eltern ihre teilweise noch sehr kleinen Kinder nicht mit dem Tod oder auch toten Körpern konfrontieren möchte, so ist dies als Schutz absolut nachvollziehbar. Kinder sollten doch in einer fröhlichen, bunten Welt aufwachsen. Da passt der Tod doch wohl nicht hinein, oder? Dabei wird oft nicht realisiert, dass die Kinder, je jünger sie sind, umso mehr mit ihren Bezugspersonen verbunden sind. Sie spüren die Trauer und es verunsichert sie. Ja, das macht ihnen regelrecht Angst, weil sie nicht verstehen können, worum getrauert wird und was das Totsein eigentlich bedeutet. Oft ist auch Niemand da, der ihre Fragen beantwortet oder ihnen hilft, Trauer und Verlust zu verarbeiten. Kinder verschließen dann ihre Welt und verstummen schlussendlich aus dem Gefühl heraus ihre Nächsten nicht noch trauriger machen zu wollen Kommen dann noch die Trennung der Eltern oder weitere Verluste und belastende Situationen hinzu, kann das durchaus die Ursache von Lebens-, Todes- und Verlustängsten im Jugend- und Erwachsenenalter sein. Das kleine Kind in uns kompensiert die nicht ausgelebte Trauer häufig auch mit Depressionen, Zwängen oder Suchtverhalten, um etwas zu verdrängen, was an die Oberfläche möchte, um letztlich verarbeitet zu werden. Aber nicht nur der Tod eines nahen Angehörigen oder Geschwisterkindes kann eine grosse Narbe auf der Seele hinterlassen, sondern auch der unerklärte Weggang einer wichtigen Bezugsperson, der nicht verarbeitet werden konnte. Oft ist dann der eigentliche auslösende Moment gar nicht mehr bewusst benennbar, weil das Kind diesen verdrängt hat, um überhaupt weiter- und überleben zu können. Ich glaube, dass fast Jeder von uns schon einmal, ob nun bewusst oder unbewusst, so einen innerlich zerrissenen Menschen getroffen hat. Wenn uns klar wird, was der ursächliche Grund ist, sollten wir versuchen Hilfe zu suchen und diesen Menschen motivieren sich von Traumatherapeuten, die sich mit diesen frühkindlichen Traumata auskennen, aufzusuchen. Wenn wir selbst in einer Abschiedssituation festhängen und noch sehr kleine Kinder haben, wäre eine liebevolle Begleitung eines Trauerexperten wie z. B. eines Sternenkindbestatters oder Kindertrauerbegleiters oder Kindertherapeuten ein guter und richtiger Weg, um Spätfolgen vermeiden zu können. Ich widme diesen Artikel mit all meiner Liebe und aus tiefstem Herzen Jacky und ihrem kleinen Bruder David ❤❤❤mögen die Engel ihrer Familie in dieser schweren Zeit beistehen.


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Bettina-Suvi Rode /03.2016