Wenn die letzten Worte fehlen…. Suizid, das Trauma für die Angehörigen

17. März 2019 0 Von Bettina

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In meiner medialen Arbeit habe ich natürlich häufig mit Menschen zu tun, die ihrem Leben ein Ende gesetzt haben. Meist erkenne ich es daran, dass die Menschen, die einen Suizid begangen haben daran, dass sie sich winden und über die Todesursache nur sehr zögerlich und ungern sprechen. Sie sehen wie sehr ihre Angehörigen leiden und wie sehr sie sich mit Schuldgefühlen quälen. Suizide gibt es in jedem Alter. Viele alte Menschen sehen nach dem Tod eines geliebten Menschen, einer Erkrankung oder einfach in ihrer Einsamkeit keinen Ausweg mehr.

Ein Suizid lässt die Hinterbliebenen in einem Gefühlschaos aus Liebe, Trauer, Wut, Verzweiflung und Schuldgefühlen zurück. In spiritueller Hinsicht wird ein Suizid als die Einwirkung des eigenen Willens auf die Grobstofflichkeit gesehen. Es ist kein Frevel oder führt auch nicht dazu, dass die Seelen eventuell “herumirren” oder “nicht ins Licht kommen”, wie von Manchen ausgeführt wird. Ich habe bestimmt mehr als 1.000 Seelenkontakte zu Seelen gehabt, die ihrem Leben ein Ende gesetzt haben. Ganz oft hätten sie diesen Schritt gerne rückgängig gemacht, nachdem sie gesehen haben, was es bei ihren Liebsten hier auf der Erde ausgelöst hat. Das ist leider nur durch den Prozess einer erneuten Inkarnation möglich.

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Besonders schlimm ist es, wenn ein Kind oder Jugendlicher diesen Weg aus seinem irdischen Leben hinaus geht. Man kann sich nicht vorstellen, dass Kinder bereits im Grundschulalter an Depressionen leiden. Schlimmer noch, Depressionen im Kindes- und Jugendalter werden häufig nicht erkannt werden, ist unklar, wie viele Kinder und Jugendliche tatsächlich an Depressionen leiden.

In seltenen Fällen können Depressionen bereits in frühem Lebensalter auftreten. Etwa ein bis zwei Prozent der Kinder leiden im Vor- und Grundschulalter an Depressionen. Häufiger werden Depressionen jedoch erst in der Pubertät diagnostiziert. Eine Zahl von etwa drei bis zehn Prozent der Jugendlichen sind von Depressionen betroffen, wobei der Anteil der Jungen vor der  Pubertät größer ist als der Mädchen. Nach der Pubertät dreht sich das Verhältnis jedoch um.

Woran kann man eine Depression erkennen?

Die Kleinsten sind noch nicht in der Lage ihre Gefühle durch Worte auszudrücken. Sie zeigen durch ihr Verhalten, dass etwas nicht in Ordnung ist.  Diese Kinder neigen zu Wutausbrüchen, starken Weinen und dem übermässigen Klammern an die Hauptbezugspersonen.  Das Gefühl von Traurigkeit definieren sie als Kopf- oder Bauchweh, weil es ihnen anders nicht möglich ist. Das ist natürlich sehr diffus und wird häufig nicht ernst genommen oder fehlinterpretiert.

Ältere Kinder und Jugendliche können ihre Gefühle anders definieren und man erkennt an ihnen die Symptome, die auch Erwachsene aufweisen.  Zum Erwachsenwerden gehören allerdings auch Stimmungsschwankungen, was eine Beurteilung sehr schwierig macht.

Die eigene Identität zu entwickeln ist ein schwieriger Prozess, der mit der kritischen Auseinandersetzung von Elternhaus und sozialem Umfeld einher geht. Freunde bekommen einen höheren Stellenwert und eine Abgrenzung zu den Eltern findet statt. Das äußert sich meist in Äußerlichkeiten. Die Frage, die sich auch Menschen in der Lebensmitte stellen, wird erstmals gestellt: “Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was ist mir im Leben wichtig und wo sind meine Prioritäten?”

Diese Phase des Erwachsenwerdens ist auch geprägt davon, dass konträre Gedankenansätze formuliert werden und Jugendliche sich ausprobieren, um ihre Grenzen zu testen. Die Hormone in Kombination mit den körperlichen Veränderungen und des Bewusstwerdens der Geschlechterrolle können stark verunsichern und zu starken Stimmungsschwankungen führen.

Jeder, der schon mal zwei Stunden vor einer Badezimmertür den dahinter befindlichen Jugendlichen davon überzeugt hat, dass er/sie weder fett, noch hässlich, noch doof ist und Pickel ganz normal sind, wird wissen wovon ich spreche. Oder der massive Konsum von Deo und Haargel, aber auch Diätenwahn, sind vermutlich allen Eltern bekannt. Stundenlange Schönheitsexzesse im Bad, die die Familie in den Wahnsinn treiben, weil man ja irgendwann auch mal den “Schönheitstempel” betreten möchte, gehören auch dazu.

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Wo hört eine altersbedingte Stimmungsschwankung auf und wo beginnt eine Depression?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Angehörige fragen sich oft nach einem Suizid: “Was hätte ich tun können, um das zu verhindern? Warum habe ich die Anzeichen nicht erkannt?”

Erst einmal ist es manchmal gar nicht so einfach die Symptome zu erkennen, weil diese so diffus sind. Irgendwann ist Jeder mal traurig oder niedergeschlagen. Wie ein Mensch mit Rückschlägen oder einer schwierigen Situation umgeht, ist sehr individuell.
Es ist sehr wichtig, dass verstanden wird, dass es nicht immer die schwierigen familiären und sozialen Lebensumstände sind, die zu einem Suizid geführt haben. Genetische und biologische Einflüsse können Ursachen einer Depression sein. Dennoch gehören diese Erkrankungen der Seele eindeutig in die Hand von Fachleuten, die Wege und Möglichkeiten aufzeigen können. Bei kleinen Kindern wirken Medikamente anders als bei Jugendlichen und Erwachsenen, so dass hier versucht wird eher mit einer Spiel- und Verhaltenstherapie zu arbeiten.

Die Anzeichen einer Depression sind denen eines Erwachsenen sehr ähnlich und man kann in diesen Altersphasen folgende Symptome feststellen:

Kleinkinder <3 Jahre

  • Wirkt traurig, das Gesicht ist ausdruckslos
  • Ist ängstlich und schüchtern
  • Ist sehr anhänglich
  • Weint schnell oder wird schnell zornig
  • Hat keine Lust zu spielen
  • Schläft schlecht
  • Lutscht viel am Daumen oder spielt mit den Geschlechtsteilen
  • Wiegt sich hin und her
  • Zeigt verändertes Essverhalten

Vorschulkind <6 Jahre

  • Wirkt traurig oder apathisch
  • Zeigt kaum oder verminderte Gestik und Mimik
  • Zieht sich zurück oder reagiert aggressiv
  • Leidet unter Alpträumen, wacht nachts oft auf
  • Hat keine Freude am Spielen, kann sich auch sonst nicht so recht freuen
  • Verliert Gewicht oder nimmt stark zu und bewegt sich ungernSchulkind <12 Jahre
  • Erzählt, dass es traurig ist
  • Spricht über Suizidgedanken
  • Hat schlechtere schulische Leistungen
  • Die Essgewohnheiten ändern sich ohne erklärbaren Grund
  • Fühlt sich von den Eltern vernachlässigt
  • Hat starke Ängste
  • Hat unbegründete Schuldgefühle
  • leidet unter einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit
  • Grübelt viel, hat KonzentrationsproblemeTeenager <20
  • Hat wenig Selbstvertrauen
  • Ist teilnahmslos oder ängstlich
  • Zieht sich vom sozialen Leben zurück
  • Kann sich nicht konzentrieren
  • Die schulischen Leistungen brechen plötzlich ein
  • Hat Appetit-, Ess- oder Schlafstörungen
  • Fügt sich Verletzungen zu
  • Hat Suizidgedanken
  • Das seelische Befinden schwankt über den Tag
  • Ist antriebslos

In den Sittings fallen mir einige Dinge auf, die ganz oft wiederholt werden. Vielen jungen Menschen ist nicht bewusst, was es bedeutet, zu sterben und das dieser Zustand nicht umkehrbar ist. Sie flüchten aus einer scheinbar ausweglosen Situation, in der sie auf Niemanden hören oder wahrnehmen konnten bzw. wollten.

Das jüngste Suizidopfer war  ein gerade mal 5jähriges Mädchen. Die Leiden der Angehörigen kann man sich nur ansatzweise vorstellen.

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Realitätsflucht – Suizid oder tragischer Unfall?

In einer Zeit, in der Computerspiele in virtuelle Welten hineinführen und Belastungen des Alltags für die Kinder und Jugendlichen immer stärker spürbar werden, verlieren sie sich zwischen Realität und Virtualität bzw. suchen sie nach Möglichkeiten den Druck zu kompensieren.

Bitte nicht falsch verstehen, ich bin nicht grundsätzlich gegen den Konsum von Cannabis. Aber der Einfluss auf ein noch junges Gehirn kann ganz fatal sein und zu psychotischen Zuständen führen, die dringend behandelt gehören. Viele unterschätzen diese Gefahr komplett.

Was beispielsweise hilft den Schmerz einer schwerwiegenden Erkrankung zu verhindern, kann durchaus einen gegenteiligen Einfluß  auf das sich entwickelnde Gehirn eines Kindes bzw. Jugendlichen haben.

Vor allem in Kombination mit Hochprozentigem kann es dazu führen, dass psychotische Zustände erlebt werden, die wirklich grauenhaft sind.

Ich sehe immer wieder in den Sittings, wie sich das anfühlt und wie es wahrgenommen wird.  Viele können darüber nicht reden. Geschwister fühlen sich schuldig, weil sie wissen, dass Schwester oder Bruder kifft oder trinkt. Sie wollen nicht petzen. Das sind Kavaliersdelikte, weil “es ja Alle irgendwie machen”.

Jugendliche wollen sich ausprobieren, Grenzen testen und vor allem “cool” sein. Bloss kein ungeliebter Nerd, der gemobbt wird.  Wer kennt das nicht von sich selbst auch?

Dabei kann es manchmal durch Unachtsamkeit zu Verkehrsunfällen kommen, die nach Außen hin wie Suizide wirken, aber gar keine sind.

Es sind diese Fragen, die oft im Rahmen eines Sittings beantwortet werden können und den Angehörigen helfen, ihre Schuld zu minimieren und helfen etwas Licht ins Leben hinein zu bringen.

Es gibt Hilfe, die Niemand scheuen sollte, in Anspruch zu nehmen!

Wenn Sie einen geliebten Menschen auf diese Weise verloren haben oder selbst in diesem Gedankenkarussell festhängen, dann gibt es hier Hilfe. Es ist absolut mutig, wenn man sich traut neue Wege zu gehen. Ich habe allergrößten Respekt vor den mutigen Seelen, die es schaffen, ihre Ängste und Suizidgedanken zu überwinden.

Hier nun einige Adressen:

https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen/

Notfall-Seelsorge (auch Suizid-Prävention):

Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

  • 0800 – 111 0 111 (ev.)
  • 0800 – 111 0 222 (rk.)
  • 0800 – 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)
  • Email: unter www.telefonseelsorge.de

 

Nachsorge- und Therapiekliniken:

Danke an “Leben ohne Dich” , deren Website https://www.leben-ohne-dich.de/notfall.htm ich die Linkliste entnommen habe!

 

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