Spiritualität – Religion oder Lebensauffassung?

Spiritualität – Religion oder Lebensauffassung?

13. Februar 2017 5 Von Bettina

Ich bin getauft und in der Tradition der lutherianischen evangelischen Kirche aufgewachsen. Die christliche  Bibel war für mich von klein an eine Lektüre, die mir immer Kraft und Leitlinie in schwierigen Zeiten gegeben hat. Meine finnische Oma war im kleinen Singekreis, wo Kirchenlieder gesungen und Gebete gesprochen wurden. Sie hat sonntags immer, wenn sie nicht in den Gottesdienst ging, im Radio die Sonntagspredigt gehört und mit ihrer schönen Stimme die Kirchenlieder mitgesungen. Ich habe es immer genossen mit ihr im Wohnzimmer zu sitzen und zuzuhören, mitzusingen und auch gemeinsam mit ihr zu beten. Wenn es möglich war, habe ich gerne den Kindergottesdienst in der Kirche besucht. Noch heute ist das Gebet für mich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.

Der Glaube ist wichtig, er gibt uns Leitlinien für unser Leben und hilft uns ethische und moralische Grundsätze zu bilden

Vorahnungen zu haben und Bilder zu sehen, Geistwesen wahrzunehmen, das war für sie ebenso normal wie für mich. Die schöne Laila, meine Oma mit den vergissmeinnichtblauen Augen und den dunklen Haaren,  war so klein und zierlich sie war, dennoch eine unglaublich starke und emotional stabile Frau. Sie  gab mir den Glauben an mich  und das ich so in Ordnung bin, wie ich bin. Vor allem, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur will.

Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass meine Arbeit als Medium oder spirituelle Lehrerin im Konflikt zu meiner Religion stehen könnte. Für mich ist jede Religion vom Prinzip her spirituell. Glauben wir nicht in allen Religionen an die Macht der göttlichen Liebe, eine unendliche Seele und das Mitgefühl?

Ich habe die Bibel, den Koran, vedische Schriften und das tibetanische Totenbuch gelesen, am Ende fand ich die göttliche Schönheit tief in mir und machte meinen Frieden mit Gott, als ich verstand, dass Alles eins ist.

Allerdings ist es in der Spiritualität, die für mich weniger Religion als eine positive Lebensführung ist, weniger der Fall, dass nach dem Schuld und Sühne Prinzip gehandelt wird. Der freie Wille eines Menschen wird respektiert und das Streben nach ethischen Werten wie bedingungsloser Liebe, Mitgefühl, Harmonie und Frieden,  bestimmen die Geisteshaltung eines spirituellen Menschen. Ich schätze es sehr, dass man lernt jeden Menschen in seiner Gesamtheit zu erfassen, seine Würde zu respektieren und in Liebe zu erfassen. Die kosmische Gerechtigkeit regelt, wozu Menschen nicht in der Lage sind.

Ein Medium zu sein bedeutet, dass man der Melodie der unendlichen Seele  lauscht

Als Medium erlebe ich die Großartigkeit von göttlicher Energie und Fügung immer wieder und es macht mich sehr demütig und ehrfürchtig. Ich bin dankbar für die wundervollen Momente, wenn ich ein Funkeln in den Augen der Sitter sehen kann, ihr befreites Lachen und der Trost, der von den Seelen von der anderen Seite kommt.

Das ist so befreiend und schön, dass ich nicht verstehen kann, wenn Menschen Angst vor einem Jenseitskontakt haben. Aber das ist wohl das allgemeine Bild, das (leider in noch zu vielen Köpfen) vorherrscht, wenn über die Arbeit eines Mediums gesprochen wird. „Alles Humbug, Quatsch, das gibt es doch gar nicht. Pass bloß auf, dass Du da nicht in eine Sekte gerätst. Das sind doch alles Scharlatane. So ein gottloses Zeug.“ So oder  so ähnlich werden Menschen, die ein Medium aufsuchen wollen, oft verängstigt. Dann sitzen diese Menschen voller Angst und Zweifel vor mir und wenn sie  Dinge zu hören bekommen, die ihnen zeigen, dass „da etwas ist“ und  sie „Vater, Mutter, Bruder, Onkel, Tante, Oma“  aus den für sie typischen Redewendungen heraus hören und auch fühlen konnten, dann erzählen sie hinterher begeistert davon. Noch schöner ist es, wenn sich die kleinen Dinge bewahrheiten, die man gar nicht wusste, so wie Teenager seinen Eltern hier auf der Erde mitteilte, dass er ein vierblättriges Kleeblatt in die Bibel gelegt hätte. Die Eltern verneinten und fanden dann zwischen den Seiten  1000 und 1001 genau dieses Kleeblatt.  Alles nur Humbug? – Nein, für mich ein Beweis von Liebe und für die Allgegenwärtigkeit von Göttlichkeit. Der Glaube ist mir wichtig. Was bliebe uns, wenn wir nicht unseren Glauben hätten? Wir würden in die Hoffnungslosigkeit abdriften.

Authentisch zu sein und wahrhaftig zu leben sind die wichtigsten Aspekte, die ein Medium ausleben sollte

Ich glaube, dass es überaus wichtig ist, dass Medien und diejenigen, die Botschaften überbringen, vorher keinerlei Informationen abfordern  können. Der Verzicht auf jegliche Vorabinformation in Form von Namen, Bildern oder Gegenständen,  ist für mich die einzige Möglichkeit, um zu zeigen, dass der Kontakt zu den Seelen real ist und diese Vorurteile nach und nach aufzulösen.

Scharlante, gottlose Kreaturen, sind für mich eher Diejenigen, die  Liebe predigen und diese aber für  ihre Zwecke missbrauchen, in dem sie manipulieren und anderen Menschen, Tieren und der Natur unserer Mutter Erde schaden.

Es sind nicht die Medien wie ich und viele Andere, die in der Spiritualität unterwegs sind, die Schaden anrichten. Wir versuchen Licht in dieses Dunkel zu bringen, Anderen zu helfen, für sie da zu sein, den Weg des achtsamen Miteinanders zu gehen und Jeden in seiner Einzigartigkeit zu akzeptieren. Wir heilen mit und ohne Worte…

Wir sind alle gleich vor Gott. Egal, ob wir Christ, Buddhist, Moslem oder was auch immer sind, so lange wir Liebe und Mitgefühl leben, befinden wir uns auf dem richtigen göttlichen Weg. Es ist nicht wichtig, wer oder was wir sind. Wenn wir sterben, dann zeigt die Karmawaage unseres Lebens unwiderruflich, ob wir das erwünschte Gleichgewicht als Seele erreicht haben, oder auch nicht…  Wenn nicht, dann startet der Hindernisparcours mit Namen „Erdenleben“  eben wieder und wieder und wieder bis wir unser Ziel erreicht haben,