Ein Jeder ist ein Kind der Zeit. – L. Schefer 1784-1862

6. März 2019 0 Von Bettina

Wenn wir Eltern werden, dann denken wir, dass wir immer mit unseren Kindern auf einer Wellenlänge liegen. Wir lieben sie doch und sie sind ein Teil von uns. Das ist auch in den ersten Jahren so. Besonders kleine Kinder unter drei Jahren sind mit uns noch sehr verbunden.

Je älter die Kinder werden, umso mehr entwickeln sie ihre eigenen Vorlieben und Eigenschaften. Sie werden kritisch uns gegenüber. Waren wir vorher allwissender Held oder Zauberfee-Mama, so werden wir spätestens in der Pubertät von unserem Thrönchen geworfen. Meist rebellieren die Teenager und nichts, was wir tun, machen wir richtig. Tja, ja, so richtiggehend peinlich werden wir. “Ach Mama, Du bist peinlich” hören wir. Anfangs ist das noch humorvoll und lustig. Die Kinderchen leben ja noch Zuhause und man ist in einem Teenagerhaushalt eher gut beraten die Ruhe zu bewahren und nur gelegentlich zu explodieren. Das sind schon die ersten Abnabelungsversuche.

Buddha_bouquet2Irgendwann kommt die Zeit, in der die Kinder beginnen tatsächlich eigene Wege zu gehen. Sie ziehen aus, weil sie studieren oder einen Job anderswo gefunden haben oder die große Liebe woanders lebt. Dann bekommt das Leben der Eltern auch eine andere Dimension. Man darf sich damit auseinander setzen, dass die Kinder von nun an ihr eigenes Leben leben. Keine durchwachten Nächte, wenn das Kind zu spät Nachhause kommt oder irgendwo mitten in der Nacht abgeholt werden muss.

Das Leben bekommt einen anderen Rhythmus. Die Kinder gehen nun nicht nur räumlich getrennt ihre eigenen Wege. Die emotionale Trennung ist ein Ablösungsprozess, der für Vater/Mutter und das Kind noch einmal ein weiterer Schritt in das eigenständige Leben ist. Eigene Glaubenssätze werden gebildet, die meist gegensätzlich zu denen der Eltern sind. Die Eltern werden als “alt” empfunden. Glaubenssätze der Familie werden über Bord geworfen und es wird als wichtig empfunden, den eigenen freien Weg zu gehen, der ohne die Belastung der Eltern erfolgen sollte.

Als Eltern wird man Vieles, was das Kind nun entscheidet, nicht als “richtig” empfinden. Aber es gehört dazu, dass beide Seiten lernen respekt- und liebevoll einen möglichst harmonischen Weg des Miteinanders zu suchen. Das funktioniert nicht immer.  Meist bilden sich dann Fronten, weil das Kind sich nicht so verhält, wie es die eigene Kultur oder das gesellschaftliche Milieu diktieren. Liebe ist hier der Schlüssel. Wenn wir unserem Kind die Liebe zeigen, die wir empfinden, seinen individuellen Weg respektieren und unterstützen, so kann es uns eines Tages verstehen. Bedingungslose Liebe funktioniert nur so, indem wir unsere eigenen Bedürfnisse hinten an stellen.

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Ich glaube, dass es wichtig ist, neue Wege zu gehen. Es ist nicht leicht zu akzeptieren, dass das Kind erwachsen geworden ist und für sich eigenverantwortlich entscheiden gelernt hat, was gut und richtig für die Seele und das Leben ist.

Das Leben besteht aus Veränderung. Seien wir die Veränderung! Nicht Alles, was “immer so gemacht wurde” ist zwangsläufig richtig. Dem Anderen zugestehen, dass es seine Freiheit des eigenen Ichs ausleben darf, ist nicht einfach. Es sind keine kleine Kindern mehr, sondern erwachsene Menschen, die für sich entscheiden. Haben wir das nicht auch damals getan als die Kinder auf die Welt kamen?

Kinder werden uns nur für eine Weile geschenkt. Es ist wichtig, diese Zeit gut zu nutzen. Es gab auch die Zeit, in der wir die Leinen gekappt haben, um eigenverantwortlich für uns und unsere Kinder da zu sein. Wir müssen uns von alten Strukturen lösen, um Eigene bilden zu können. Der Weg dahin ist nur manchmal sehr steinig und schwer für alle Seiten. Aber gehen wir diesen Weg in Liebe, dann wird auch diese Anpassung gelingen. Wichtig ist, dass wir die Ansichten unserer Kinder ernst nehmen und ihren freien Willen respektieren. Sie sind zwar genetisch noch immer ein Teil von uns. Dennoch aber eigenständige wunderbar leuchtende Wesen, deren Handlungsweise uns oft befremdlich erscheint, aber genauso gelebt werden muss.

Es ist wichtig, dass wir sie nicht los lassen, auch wenn sie uns manchmal ins Taka-Tuka-Land wünschen und im Dialog bleiben. Egal, was sie sagen oder wie sie empfinden. Letzten Endes steckt in jedem großen Kind, auch immer noch das entzückende Kleine, dass uns voller Bewunderung gefolgt ist.

Ich glaube, dass oft Annäherung erst dann wieder entstehen kann, wenn auch unsere Kinder in unsere Schuhe hineingewachsen sind und unsere Denkweise besser verstehen können. Dann beginnt wieder ein neues Zeitalter der Elternschaft, wenn wir zu den Kindern werden und unsere Kinder zu unseren Eltern… aber das ist ein weiteres und anderes Kapitel Entwicklungsgeschichte, auf das ich heute nicht eingehen werde.

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